Das Bierbrauen im Grab des Ti

Die Darstellungen des Bierbrauen im Grab des Ti, einem Beamten aus der Pyramidenzeit, sind die bekanntesten Malereien zu diesem Sujet.

Informationen zum Grab findet man (auf englisch und französisch) hier:

Beschreibung der kompletten Grabanlange

Im folgenden sollen die Darstellungen der kompletten Wand, in der die Brauszenen mit eingebunden sind, beschrieben werden.

(Bilder aus: Wreszinski, Atlas der ägyptischen Kultut 1913)

Die Grabwand des Tj darf mit Abstand als das meist zitierteste Werk über die Bierherstellung gelten. Exemplarisch für die „Zauberbilder“ bespricht Helck in seinem Standardwerk über das Bier im alten Ägypten die 20 Einzelszenen bzw. Arbeitsschritte.[1] Zu beachten ist dabei, dass Helck nicht die tatsächliche Anordnung der Szenen bespricht, sondern die einzelnen Register nach seiner Vorstellung des Ablaufes anordnet. Im

Folgenden sollen die Szenen, die sich in Raum 5 an der Westwand befinden, in ihrer realen Anordnung in sieben Registern wiedergegeben werden.[2]

Wer nicht so viel lesen möchte, der sollte direkt zur Beschreibung des 2. Register im nächsten Absatz springen.
Die Darstellung beginnt im ersten Register, d.h. in der obersten Zeile, mit den Szenen einer Töpferei. Krüge werden im geheizten Ofen gebrannt, auf der Scheibe geformt, sowie auch manuell geformt (qd) und geglättet (abb). Dargestellt sind unterschiedliche Keramikgefäße. Links werden bauchige, kleine Bottiche und winzige Töpfe gefertigt, rechts Bierkrüge. Die Krüge rechts werden hierbei auch explizit als Dwjw -Krüge bezeichnet.[3]

 Im zweiten Register beginnt der Brauvorgang. Links stehen zwei Arbeiter vor einem mit einem großen Sieb abgedeckten Topf, die Inschrift nennt die Szene simpel jtx, „brauen bzw. durchseihen; auspressen“.[4] Der rechte der beiden Arbeiter schüttet eine Flüssigkeit (sgnn) in den Bierbottich, was als s(j)t.t sgnn bezeichnet wird. Da diese „sgnn -Ingredienz“ nicht erklärt werden kann, soll sie vorerst unübersetzt gelassen werden.[5] Ein Schreiber des Wirtschaftshauses (sS pr Sna) überprüft den nächsten Vorgang, darauf erfolgt ein erneutes Durchseihen (atx) durch zwei Männer. Abschließend wird die Vorbereitung der Bierkrüge für das Abfüllen gezeigt: im unteren Halbregister schmiert ein Arbeiter die Krüge aus, danach wird das Bier hinein gefüllt (mH Dwjw) und die Krüge werden mit einer hohen Tonkappe verschlossen (agj.t Dwjw). Im oberen Halbregister verschmiert und versiegelt (amj) ein letzter Arbeiter schließlich die Bierkrüge.

Im dritten Register beginnen Darstellungen, die wohl der Bäckerei zuzuordnen sind.
Am rechten Bildrand wird Getreide entnommen, jedoch handelt es sich dieses Mal um Weizen (genauer: Emmer, swt) aus einem großen, liegenden Tongefäß. Das dazugehörige verb […]o ist nicht mehr erhalten. Wild interpretiert diese Szene, in dem er deutet, dass sw.t hier befeuchtet wird.[6] Mit dieser Interpretation wäre dann eine mögliche Art des Mälzens in einem großen Gefäß, welches höher gelagert ist, dargestellt.
Interessant ist die darunter liegende Szene, die einen Arbeiter zeigt, welcher kniend etwas auf einem kleinen Podest formt oder zerreibt. Über ihm ist ebenfalls ein seitlich liegender Krug abgebildet. Die zerstörte Inschrift lässt noch T[…]s wDA.t erkennen. Leider ist wDA.t nicht gesichert gedeutet, es handelt sich dabei wohl um eine grüne Frucht oder ein Gemüse[7], möglicherweise aber auch um einen frischen Brei oder Teig.[8]
Für eine Interpretation als Getreide spricht sich Wild aus, der die Beischrift als t wAD liest und vorschlägt, in diesem „grünen Brot“ das Malz aus dem Topf darüber zu sehen.[9] Fraglich bleibt hier jedoch, was er mit den nicht gelesenen Hieroglyphen T, s und t macht.  Der TLA schlägt eine Lesung als tjSs wDA.t als „Das Zerquetschen der Wadjet-Frucht oder Grünzeugs“ vor.[10] Ob das oben genannte wDA.t oder t wAD zur Brot- oder Bierbereitung gehört, ist nicht mehr sicher nachzuvollziehen.[11]            Anhand der Darstellung auf einem 2011 aufgenommenen Privatfoto scheint es sich jedoch um eine weiße, teigartige, homogen-flüßige Masse zu handeln und nicht um Getreide oder Gemüse. Da die gesamte Szene in einem Bäckereikontext (sTt-Teig; psn-Fladen) eingeordnet ist, möchte ich sie der Brot(teig)zubereitung zuordnen. Im Grab des Khentika findet sich die gleiche Szene bei der psn-Produktion. Neben dem Arbeiter am Arbeitsbrett ist eine weitere Person mit dem Kneten und Formen von psn-Fladen beschäftigt (sor psn). Über ihm befindet sich ein Regal mit verschiedenen Brotlaiben. Die fertigen Brotlaibe werden von einem Träger zur nächsten Arbeitsstelle gebracht, wo sie eingeweicht (dnj.t) werden. Dieser Arbeitsschritt wird an einem Bottich mit Sieb ausgeführt, welches aber erheblich kleiner als das Korbsieb des Braubottiches ist. Diese Szene ist sehr wichtig, da sie zeigt, dass der Mann am Bottich keineswegs nur in der Brauerei zu finden ist, sondern auch bei der Herstellung dieses Teiges als Ikon auftritt. Nach diesem Vorgang entsteht ein SD.t-Teig, der vom nächsten Arbeiter mit Hilfe kleiner Schöpfbecher in sTt-Backformen gegossen wird (wdH SD.t). Abschließend werden die gefüllten Backformen gestapelt und erhitzt (orr sTt).

Die Darstellung im vierten Register gehört zur Getreideverarbeitung und beginnt mit der Entnahme von bSA-Getreide aus einem Silo, welches nebenan abgemessen wird (hAt bSA). Darauf folgt die Weiterverarbeitung des Getreides, Mahlen (tiSs) und Sieben (no(r)) durch mehrere Arbeiter. Am rechten Bildrand, in der größten Einzelszene, zerstoßen zwei Personen mit langen Stößeln das Getreide nochmals in einem Mörser (sxm).

Unter der Aufsicht eines Imi-rA-pr-Sna, der die gesamte Bildmitte zentral einnimmt, wird im fünften Register gearbeitet. Die ihn in je 2 Halbregistern umgebenden Arbeiter üben zwei unterschiedliche Tätigkeiten aus. Zehn Arbeiter knien über einem Mörser und zerreiben das Getreide zu Mehl, dieses wird danach von sechs Arbeitern feingesiebt. Vier von diesen Arbeitern sind auch durch die Beischrift sAj d(w)Dw, dem Sieben von Mehl, deutlich mit ihrer Arbeitstätigkeit benannt. Bei den beiden Arbeitern am rechten Bildrand fehlt der Mehlschleier

Im sechsten Register befinden wir uns wieder inmitten einer Bäckerei.
Am rechten und linken Bildrand ist das erhitzen (qrr) und auseinandernehmen (wpj) von bDA-Backformen dargestellt. Ergänzend wird in den beiden Halbregistern in der Mitte die Herstellung von Brotteig gezeigt. Dort wird links unten der Sdt-Rührteig zubereitet. Der flüssige Teig wird in einem Bottich mit den Händen geknetet und mit Hilfe kleiner Gefäße danach in Backmodel gefüllt (wdH SD.t). Über dem Bottich, in dem der fertige Teig (wohl zur Gärung oder zum Aufgehen bzw allgemein zur Aufbewahrung) aufbewahrt wird, ist zusätzlich als Bezeichnung SD.t geschrieben.
Damit eine Verwechslung mit einer Brauerszene aufgrund der Ikonographie auszuschließen ist, wird der Arbeitsvorgang hier zusätzlich als Amr[12] – mischen, vermengen bezeichnet. Amr ist hier als Schreibung von amj mit der Bedeutung „mischen/anrühren“ verwendet. Der nächste Arbeiter, der Spiegelverkehrt zum vorhergehenden Teigkneter steht, gießt eine Flüssigkeit in einen kleinen Bottich, die Tätigkeit ist als dw Hr hs bezeichnet. Faltings übersetzt es mit „auf die Hefemasse geben“[13], weitere Bedeutungen für hsA werden in Kapitel XY diskutiert. Wenn man die zuletzt genannten Figuren zusammenzieht, dann wird entweder vor oder nach dem Mischen des Teiges eine Zutat dem Bottich hinzugegeben, Möglicherweise hsA/Hefe? Das TLA schlägt eine, als unsichere Lesung bezeichnete, Variante als dw Hr (A)H z(w),t „Das Abdecken(?) des Emmer-Teigs“ vor.[14] Die letzte Figur im unteren Register ist noch einmal beim Befüllen (wdH SD.t) der Backformen gezeigt. Im oberen Halbregister wird der Teig in den Modeln weiterverarbeitet (smn t), der Rührstock abgestrichen (sSr smnw) und abschließend das fertige Brot aus den Modeln herausgeholt (wHA – herausstülpen).[15]

Das siebte Register zeigt eine Registratur, Beamte (DADA.t) nehmen das Backwerk entgegen und Schreiber notieren die Lieferung.[16]

[1] Helck 1971, S. 26-36

[2] Nach Wreszinski 1923 – 1938, Taf. 70, eine schöne Übersicht findet sich bei {Thierry Benderitter 2011 – 2015 #284}I http://www.osirisnet.net/mastabas/ty (zuletzt geprüft am 17.02.2015)

[3] {Thierry Benderitter 2011 – 2015 #284}, LMP 49, Register 32/1

[4] TLA s.v. atx; die Schreibung jtx ist ein Charakteristikum für das Alte Reich (Lemma-Nummer 41820)

[5] Hier S. xy

[6] Wild 1966, S. 114

[7] TLA, s.v. wDA.t (Lemma-Nummer 43710)

[8] Montet 1925, S. 247, auch Helck 1971, S. 31

[9] Wild 1966, S. 103f.

[10] TLA, s.v. wDA.t (Lemma-Nummer 43710) und s.v. tjSs ( Lemma-Nummer 170060)

[11] Ein kurzer Exkurs über das „Wadschet-Problem“ findet sich in Link 2010, S. X. Durch neue Lesungen ist die dort gegebene Ausführungen in Teilen nicht mehr ganz aktuell.

[12] TLA s.v. Amj (Lemma-Nummer 136)

[13] Faltings 1998, Dok. 6 und S. 92; dw ist der Infinitiv zu wdj, setzen, legen

[14] TLA s.v. AH (Lemma-Nummer 186)

[15] die Deutung und Lesung der Beischriften ist schwierig, ich schließe mich wie auch das LMP den Erläuterungen von Faltings an, Faltings 1998, Dok. 6 und S. 92

[16] Faltings 1998, Dok. 2 und S. 256