500 Jahre deutsches Reinheitsgebot – Auf den Spuren des flüssigen Goldes

500 Jahre deutsches Reinheitsgebot – Auf den Spuren des flüssigen Goldes

Auf den Spuren des flüssigen Goldes: 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot
2016 gibt es einen Grund zu feiern: Das deutsche Reinheitsgebot wird 500 Jahre alt. Doch warum gibt es überhaupt ein Reinheitsgebot und woher kommen die ersten Bierbrauer?

Warum dieses Gebot nötig wurde, legt ein Blick in die Vergangenheit offen: Bis dato durfte nach Belieben gebraut und gepanscht werden. Um das Bier oder den Rausch zu verstärken, landeten oft giftige Früchte wie Tollkirsche, Schlafmohn oder Bilsenkraut im Brautbottich. Um diesem wilden Treiben, das nicht selten Todesfälle nach sich zog, einen Riegel vorzuschieben, wurde 1516 vom bayerischen Herzog Wilhelm IV. das Reinheitsgebot in Ingolstadt beschlossen:„Wir wol­len auch (…) das zu kai­nem pier merer stückh dan allain gers­ten, hop­fen un was­ser genom­men un gepraucht solle werdn”. Seitdem darf Bier ausschließlich aus Wasser, Gerste und Hopfen gebraut werden. Ob das bayerische Reinheitsgebot von 1516 wirklich das erste Gesetz war, ist strittig: In Bamberg ist man überzeugt, dass bereits 27 Jahre frühe 1489 in einer „Umgeldordnung“ steht, dass im Bier „nichts mere denn Malz, Hopfen und Wasser“ enthalten sein dürfte.

Um das Geburtsland des Bieres zu finden, muss man den Blick jedoch in den Vorderen Orient und nach Ägypten werfen. Welche dieser beiden Kulturen nun die wirklichen Erfinder des Bieres sind, bleibt nach neuesten archäologischen Erkenntnissen offen –das Bier hat sich nahezu zeitgleich etwa um 3400 v.Chr. dort entwickelt, die Ägypter könnten jedoch um ein paar Jahre schneller gewesen sein.

In Altägypten konnte das Bier auf zwei Arten zubereitet werden: Entweder stellte man leicht angebackene Braubrote her, die zerbröckelt und mit Wasser übergossen wurde. Da man keine Hefe kannte, wurden wohl Früchte (Datteln, Weintrauben) oder der Bodensatz vom vorherigen Bier verwendet, um eine Gärung einzuleiten. Diese Maische wurde abschließend durch ein geflochtenes Korbsieb gepresst und das fertige Bier in kleinere Tonkrüge umgefüllt. Eine Weitere Möglichkeit war es, auf die Bierbrote zu verzichten und stattdessen einfach ein oder zwei Getreidemischungen (eine davon Malz) auf einer Reibe aufzubrechen und dies mit Wasser zu übergießen. Mit dem erfrischenden Gerstensaft von heute hat das Getränk allerdings nicht viel gemein. Da es keinen Hopfen oder Kohlensäure gab, hatte es mehr Ähnlichkeit mit einem verdünnten Getreidebrei als mit unserem Bier. Der Alkoholgehalt des ägyptischen Bieres war übrigens äußerst vielfältig: Ein fast alkoholfreies Getränk stand jedem Arbeiter als Teil seines täglichen Lohnes zu, doch auch von einem berauschenden Starkbier, das bei besonderen Festtagen getrunken wurde findet man Berichte.

Am Festtag der Katzengöttin Bastet, das den bezeichnenden Namen „Schönes Fest der Trunkenheit“ trug, sollen über hunderttausend Besucher zusammenkommen sein, um sich regelrecht über mehrere Tage hinweg zu betrinken. Der griechische Geschichtschreiber Herodot berichtet um 450 v. Chr., dass gerade angekommene Gäste sofort riefen: „Wo ist das Bier? Meine Kehle ist trocken wie Stroh”“

In altägyptischen Texten und Papyri lassen sich auch bis zu 40 verschiedene Bezeichnungen für das Bier finden – ein Sortiment, das auch heute noch jedem Getränkemarkt zu Ehre reicht. Auch im Jenseits war das Bier den Ägyptern enorm wichtig. In jedem ägyptischen Grab findet sich der Wunsch des Grabherrn niedergeschrieben, dass er jeden Tag 1000 Krüge Bier bis in alle Ewigkeit bekommen möge – also wahrlich genug Bier, um auch nach dem Tod nie wieder Durst zu leiden.

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